Die genauen Umstände und das exakte Datum der Gründung unserer Rehauer Schützengesellschaft liegen auf Grund fehlender Quellenbelege im Dunkel vergangener Zeiten verborgen. Mit Sicherheit lässt sich auch der Ursprung unserer Gesellschaft auf das erstarkte Bürgertum an der Schwelle der Frühen Neuzeit zurückführen. Von Beginn an wurde in den Statuten neben der strengen Reglementierung der Schießübungen auch dem geselligen und den kameradschaftlichen Beisammensein eine große Bedeutung zugemessen. Deshalb trägt unser Verein analog zu den weiteren Gründungen des 18.Jahrhunderts im süddeutschen Raum die Bezeichnung Schützengesellschaft. "Aus der Art der Schießkonkurrenz offenbart sich auch das Wesen der Schützengesellschaften. Die Ertüchtigung im Schießen wurde zum "ritterlichen Spiel". Darauf deutet auch hin, dass der Vorsteher einer Schützengesellschaft seit eh und je ein Schützenmeister und kein Hauptmann war. Die Schützengesellschaft war und ist keine Kompanie oder Garde, und ihre Mitglieder brauchten nie zu exerzieren.

Im Schmalkaldischen Krieg (1546/47) bereiste der Ritter Fortsch im Auftrage Albrecht Alcibiades (1541-1554) die Markgrafschaft Kulmbach- Bayreuth, um die Zahl der waffenfähigen Mannschaften zu ermitteln und, wie Zeh berichtet "die Wehrfähigen mit Büchsen, Hellebarden und Spießen für den Fall einer allgemeinen Landnot auszurüsten". Aus der von Fortsch erstellten Aushebungsliste geht hervor, dass Rehau damals 77 mit Gewehren ausgerüstete Mannschaften zu stellen vermochte, von denen dann auch 5 Mann ausgehoben wurden. Die frühe Neuzeit war auch die Epoche der großen Söldnerheere. So hatte im Jahre 1591 der im Dienst der spanischen Krone stehende Oberst Ruprecht von Egenberg Kriegsvolk in Schlesien angeworben, das er nun von Böhmen kommend durch das bayerische Vogtland nach Lothringen führen wollte.

"Daher man den 9. und 11. September sowol die folgenden tag die burgerschaft (zu ergänzen Hofs), sonderlich aber die hackenschutzen, auch das Landvolk aufgemahnet und nach Rhesaw und Selb geführet, den Wald und paß überal zu verwachen, daß kein unversehener Durchbruch geschehen möchte. Den 17. septemb. hat man der ubrigen burgerschaft, die man zuvor nicht gebrauchet, auch aufgeboten und gleicher gestalt an gemelte ort und ende geführet. Am tag Matthäi zu abends wurden die leut, so uf die grentzen bestellet, bedes, die burgerschaft und das landvolk, wiederumb zu hauß gelassen und die Höfer mit aufgeregter fanen in die stadt geführet, weil man sich keiner gefahr mehr zu besorgen und der fremde krigshauptmann sein volk auf andere gelegenheit fort gebracht hatte. Und dieses nannete man den stollenkrieg, alldieweil einem iden, der zufeld lag, teglich zween kümmelstollen und zwo kannen Bier gegeben worden. Andere hisen es den rubenkrig, sintemal die ruben auf dem feld, sowohl andere kuchenspeis nicht allweg sicher waren."

Auch im Dreißigjährigen Krieg mussten die Rehauer des Öfteren unter Einquartierungen, Plünderungen und Kontributionen leiden, gegen die sie sich verzweifelt zur Wehr zu setzen versuchten. So berichtet der Chronist Scherzer vom Jahre 1640: "Da einstens ein kleiner Trup Schweden den Rehauern das Vieh wegtrieb, so gingen die Rehauer durch den Schönwälder Wald nach, töteten die Schweden zwischen Schönwald und Vielitz, wo noch ein Kreuzstein stehet, und bekamen also ihr Vieh wieder."

Einem Bericht L. Wolfrums [Verfasser eines "Rehauer Heimatbüchleins"] zufolge soll es einst eine Zeichnung gegeben haben, welche die Fahnen der Herrschaften, unter denen die Schützengesellschaft Rehau bestanden hat, wiedergab. Die älteste Flagge auf dieser Zeichnung war diejenige Preußens mit der Jahreszahl 1792, als nach dem Verzicht Markgraf Alexanders die zollerischen Fürstentümer Ansbach und Bayreuth an Preußen gelangten. Weitere historische Belege aus den Anfangsjahren unserer Gesellschaft, eine von J. C. Schödel gestiftete Schützenscheibe aus dem Jahre 1763 sowie eine Fahne mit der bayerischen Königskrone und der Initiale M [vermutlich für König Max I Joseph], die 1932 vom Privatier Gottfried Zapf auf dem Dachboden des ehemaligen Winterlokals gefunden wurde, gingen leider in den Wirren des 2. Weltkriegs und der darauffolgenden Besatzungszeit verloren.

Sicherlich hat man auch in Friedenszeiten regelmäßig die Handhabung der Waffen im sportlichen Wettkampf geübt. Ein alter Flurteil "die Scheim" auf dem Gelände des heutigen Bahnhofs gibt uns einen sicheren Hinweis auf einen dort spätestens seit Anfang des 19. Jahrhunderts (1862 Baubeginn der Eisenbahnlinie Eger-Hof) angesiedelte Schießstätte. Dieser Platz soll einst von den reichen und angesehenen Hammerwerksbesitzern (Hammermühlweg) zur Verfügung gestellt worden sein.

Das erste Rehauer Schützenhaus und Stand, wahrscheinlich als reiner Holzbau, 1855 auf dem Scherzerschen Grundstück nahe der Maschinenfabrik. 1871, im Jahre der Bismarckschen Reichsgründung, wurde dann auf dem heutigen Platz an der Schützenstraße ein massiver Bau im Jagdhausstil mit kleinem Saal und Schießständen errichtet, der in den folgenden Jahren noch um zwei Seitenflügel erweitert wurde. Zur Finanzierung des Bauvorhabens wurden Aktien ausgegeben, die später dann durch Auslosung an die Zeichner rückgezahlt wurden. Während des ersten Weltkrieges finden wir in unserer Chronik den Hinweis, dass Mitglieder der Rehauer Schützengesellschaft zur Bewachung der Bahnstrecke Hof-Eger eingesetzt waren. In den Jahren 1925/26 wurde das heutige moderne Vereins- und Wirtschaftsgebäude errichtet, dem 1933, nach Abbruch des alten Schützenhauses, der große Festsaal angegliedert wurde.

Als 1927 das 500jährige Stadtjubiläum begangen wurde, konnten auch wir unsere Vereinsfahne im Rahmen des Schützenfestes, das auch damals schon vom Charakter eines Volksfestes getragen wurde, feierlich weihen. Sie begleitet uns auch heute noch bei freudigen und traurigen Anlässen als sichtbares Zeichen der Kameradschaft und des traditionsreichen Erbes unserer Gründerväter, dem wir uns stets verpflichtet wissen. Bereits seit dem Jahre 1926 existiert in unseren Reihen eine Jungschützenabteilung, die, in der Anfangszeit vor dem 2. Weltkrieg noch den Namen "Schießverein Immergrün" führend, stets eine äußerst wichtige Stütze unserer Gesellschaft und Garant für ein lebendiges Fortbestehen unserer Schützentradition war und auch heute noch ist.

1939 fand, bedingt durch den Krieg, das letzte mit Vorderladern durchgeführte Vogelschießen statt. Wie bei allen anderen Vereinigungen unserer Vaterstadt, so rissen die Kriegsjahre auch in die Reihen unserer Schützengesellschaft große, schmerzliche Lücken. Einigen Schützenbrüdern war es nicht vergönnt, ihre Heimat wiederzusehen, geopfert einer verbrecherischen Ideologie. 1949 wurde das erste Schützenfest nach Kriegsende gefeiert. Da Feuerwaffen durch die amerikanische Besatzungsmacht verboten waren, wurde der Adler mit der Armbrust abgeschossen, was bis heute beibehalten wurde. Zu Beginn der achtziger Jahre entsprachen die alten Freiluftschießstände (geschossen wurde vom jetzigen "Roten Salon" aus, wo auch eine einfache Kegelbahn vorhanden war) sowie die Winterschießstände (für Luftgewehr und Luftpistole im heutigen Jungschützenzimmer; anstelle der KK-Gewehr- und Sportpistolenstände wurde unsere neue Kegelbahn eingebaut) nicht mehr den neuzeitlichen sportlichen Bedürfnissen und gesetzlichen Anforderungen. So konnte 1982, dank der großherzigen Unterstützung unseres verdienten damaligen 1. Vorstands, Schützenbruder Hans Heinrich Wachter, unser modernes und vorbildliches Schießsportzentrum geschaffen werden.

Schon immer war unsere Schützengesellschaft mit Schützenschwestern und Schützenbrüder aus Nah und Fern im schießsportlichen Wettkampf und freundschaftlicher Geselligkeit auf das Herzlichste verbunden. So bestanden und bestehen Patenschaften und enge Kontakte zu den Schützengesellschaften Oelsnitz, Oberkotzau, Münchberg, Marktredwitz, zur kgl. privilegierten Wittelsbacher Schützengesellschaft in Schönwald sowie einst zur Freihand-Schützengesellschaft Tell in Asch. Durch das Internet lernten wir die St. Johannesbruderschaft Niederheide 1924 e.V. im Rheinland kennen, deren Schützenfest mittlerweile schon zu einem festen Bestandteil unseres Terminkalenders geworden ist. Auch beim Rehauer Vogelschießen sind unsere Freunde aus Niederheide nicht mehr wegzudenken. Seit Kurzem freuen wir uns auch, Schützen aus Tespe bei Hamburg bei uns begrüßen zu dürfen.

Trotz all der Veränderungen und Anpassungen an die Moderne - es sind immer noch die gleichen, auf Heimatliebe und brüderlichen Zusammenhalt gegründeten Werte, die unsere Gründerväter einst im Herzen trugen, als sie unsere Gesellschaft aus der Taufe hoben, und die wir, einem humanen Fortschritt verpflichtet gleichsam den Blick für die eigenen, christlich geprägten Wurzeln zu wahren, kommenden Generationen als lebendiges Vermächtnis zu bewahren suchen.